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Stellen Sie sich ein Leben in einer paradiesischen Gesellschaft vor. Jedes Mitglied hätte unbeschränkte materielle Mittel. Niemand müsste arbeiten. Es gäbe keine Krankheiten, Sorgen und keine Lebensgefahr. Alle Wünsche könnten in Erfüllung gehen und es würde an nichts fehlen. Jeder könnte ein Leben nach seinen Überzeugungen und Wünschen führen.

Was wären die Konsequenzen? Langeweile und Überdruss würden herrschen. Niemand verspürte eine Motivation sich anzustrengen, nachzudenken, etwas zu schaffen. Es gäbe einfach keine Bedürfnisse. Die Gesellschaft würde in Dekadenz verfallen und zu Idiotie verkommen.

Selbst die Konstruktion paradiesischer Zustände führt schon zu Widersprüchen. Stellen wir uns vor, ein Mann möchte mit 5 Frauen zusammen leben. Dies würde aus der Sicht der Frauen bedeuten, dass diese sich zur Erfüllung ihres Paradieses wünschten, sich zu fünft einen Mann zu teilen. Wenn der Mann Glück hätte, würde er vielleicht 5 Frauen mit genau diesem Wunsch für sich finden können. Übertragen aber auf eine Gesellschaft, die zu gleichen Teilen aus Männern und Frauen bestünde, gäbe es keine Lösung, die sämtliche Vorlieben aller befriedigen könnte. Immer würden Personen übrig bleiben, für deren Vorlieben es einfach keine ausreichenden Gegenpole gäbe. Im Paradies dürfte es tatsächlich nur den unsterblichen Adam und die unsterbliche Eva geben, - und die müssten auf alle Zeit aufeinander abfahren. Jede dritte und weitere Person wäre der Anfang vom Ende und wir alle kennen das Ergebnis….

Das Paradies ist ein Ort ohne jegliche Entwicklung, ein Ort unerträglichen Überdruss. Entwicklung, so sinnlos dies auch klingt, setzt chaotische Zustände voraus, die nur durch unverletzliche Naturgesetze beschränkt werden.

Für das Leben bedeutet dies beispielsweise, dass Arten vernichtet werden um neuen Arten, die sich besser anpassen, Platz zu machen. Tod und Vernichtung sind Chancen für etwas Neues. Der Sinn jeglichen Lebens ist der Tod. Dazwischen liegen das Überleben und die Erprobungsphase, ob eine Spezies für die Weiterexistenz geeignet ist. Ist sie es nicht, stirbt sie aus. Erst als nahezu alle Dinosaurier vernichtet waren, begann die Epoche der Säugetiere und damit die Evolution eines Raubtieres, welches wir Mensch nennen. Natur und Evolution sind unbarmherzig. Gnadenlos raffen sie Leben dahin, terrorisieren es mit Naturkatastrophen, Seuchen und Krankheiten und scheren sich einen Teufel um Gerechtigkeit. Das Raubtier vernichtet schwache Artgenossen. Durch seine Intelligenz - etwas Neues in der Natur - ist es ihm möglich, sich fast auf alle Rahmenbedingungen anzupassen.

Zerstörung kennt keine Ethik. Stürzt ein Asteroid auf die Erde, vernichtet er unter Umständen alles Leben. Eine Epidemie verschont keine Kinder, richtet sich weder nach Religion noch nach dem Charakter des Individuums, dass sie dahinrafft. Es gibt keine vernünftigen Gründe, anzunehmen, die Natur würde Menschen bevorzugen. Mit der Geburt sind sowohl die Eintagsfliege wie auch der Mensch zum Tode verurteilt. Ihr Leben dient der Fortpflanzung und damit der Erhaltung der Art. Was sich ansonsten in ihrem Leben abspielt mag einen Sinn haben oder nicht. Diese Bewertung findet einzig und allein in unserem Kopf ab. Das völlig willkürlich an den jeweiligen Konsens der Gesellschaft gebunden, eigentlich deren Führung. So kann man in der jeweiligen Epoche (Unter-) Menschen töten, ohne angeklagt zu werden, Farbige als Sklaven halten oder Frauen als Hexen verbrennen. Wertesysteme sind eben menschliche Kreationen. Niemand kann vorhersehen, wie es in weiteren 1000 Jahren Menschengeschichte aussehen wird. Und 1000 Jahre sind in Maßstäben des Universums wirklich nicht viel.

Damit unser Sonnensystem entstehen konnte, musste ein Superstern explodieren und eine kosmische Wolke hinterlassen. Darin bildete sich die Erde mit allen Eigenschaften, die Leben ermöglichten. Heute ist bereits klar, dass in einigen 100 Millionen Jahren die Sonne so heiß werden wird, dass sie alles Leben auf unserem Planeten auslöschen wird. Menschen, so wie wir sie kennen, wird es dann schon seit Ewigkeiten nicht mehr geben. Wie Millionen von Arten vor ihnen, werden sie ausgestorben sein. Vielleicht wird eine weitere Art, ebenfalls mit Intelligenz, aufgetaucht und ebenso wieder verschwunden sein. Selbst wenn eine Spezies sich in der gesamten Galaxis ausbreiten könnte, irgendwann, in Milliarden von Jahren wird es keine habitablen Sonnensysteme mehr geben. Und noch einmal viel später nicht mal mehr das Universum, so wie wir es heute kennen. Auch das Universum muss sterben, damit Platz für etwas Neues entsteht. Ein neues Universum mit vielleicht ganz anderen Naturgesetzen.

Unser heutiges Wissen ist so klein, - wäre alles Wissen ein Ozean so besitzen wir davon eine Tasse voll.

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