Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog

„Beweise, dass du existierst!“

 

„Ich stehe vor dir; du kannst mich sehen, du hörst was ich sage…“

 

„Bitte?“

 

„Du hast mich schon verstanden!“

 

„Das ist dein Traum, du glaubst ich sehe dich.  Es ist kein Beweis. Solange du nicht beweisen kannst, dass du existierst, existiere ich auch nicht. Was für dich gilt, gilt für mich.“

 

„Wie kannst du mich etwas fragen, wenn du nicht existierst?“

 

„Dein Geist hat mich und die Frage erfunden.“

 

„Ich kann dich schlagen, dann merkst du wirklich, dass ich existiere!“

 

„Schlag mich, ich werde mir einbilden, dass es weh tut. Vielleicht fließt sogar etwas Blut. Ich schreie, aber wir beide träumen es nur.“

 

„Und wenn ich dich umbringe? Das wäre doch möglich. Wäre ja nicht mal schlimm, wenn wir beide nicht existieren, stimmt’s?“

 

„Du kannst tun, was du willst, du beweist damit nichts. Nur weil eine Handlung deinerseits ein von dir erwartetes Resultat liefert, ist überhaupt nichts bewiesen. Dein eingebildeter Verstand gaukelt dir eine Welt von Ursache und Wirkung vor. Er hat sich nur daran gewöhnt.  Glaub mir, alles Illusionen!“

 

„Ich würde sehen, wie du tot vor mir liegst und dich auflöst. Keine dummen Fragen mehr. Tot (du), lebendig (ich).“

„Du tust mir leid. Sagte ich doch schon, - Ursache, Wirkung. Aber ich bin ein perfektes Hologramm. Dein Messer dringt nur durch eine Reflexion meiner äußeren Hülle. Ich bin nicht mal ein Mensch, ich bin nur eine Computersimulation mit einer menschlichen Stimme wie in der Computerwelt Second Life. Gib dich geschlagen!“

 

„Ich kenne dich, seit du sechs Jahr alt bist.“

 

„Da haben wir es schon wieder, all dein Wissen generierst du aus deinen Erfahrungen. Aber du hast nie hinterfragt, ob sie wirklich sind, - ob du wirklich bist.“

 

„Ich denke, also bin ich!“

 

„Sagt wer?“

 

„Aristoteles?“

 

„Nein, zu alt, er hieß Rene Descartes, 17. Jahrhundert. - Du zitierst einen Philosophen. Respekt! Ich könnte jetzt meine Frage ausweiten und den Beweis von Denken in dir zu verlangen. Ist aber nicht nötigt, da du deine Existenz nicht beweisen kannst. Die Illusion, etwas in dir könne denken, steht zwischen dir und einer Wirklichkeit, nämlich Nichtexistenz.“

„Du kotzt mich langsam an mit deiner Besserwisserei. Schau dich um. Physik, Mathematik. Alles was Menschen je erfunden haben. Flugzeuge, Raumfahrt, die Atombombe, den Teilchenbeschleuniger.“

 

„Das ist ein guter Hinweis. Was haben Sie denn gefunden, die Atomphysiker. Leeren Raum! Und je tiefer man eindringt umso mehr leeren Raum findet man. Das Atom besteht angeblich aus Teilen ohne Ausdehnung, - und dazwischen? Leere! Und wenn man ein Teil isolieren will, ist es gar nicht zu lokalisieren. Das ist dein Beweis? Pahh, warum glaubst du, die Leute stehen in der Kirche und beten?“

 

„Sie suchen Gott!“

 

„Nein, sie suchen den Beweis ihrer Existenz, dass es irgendetwas geben muss. Nicht nur leeren Raum und Quantenfluktuationen. Sie glauben, dass einer sie gemacht hat. Dann wären sie sicher, dass es sie selbst wirklich gibt. Sie suchen nach einem Sinn ohne zu wissen, was Sinn bedeutet. Weil nichts in einer Nichtexistenz etwas bedeuten kann. Denn gäbe es einen Schöpfer, hätten wir wieder ein schönes Ursache – Wirkung  Prinzip.“

 

„Ahh, du bist Nihilist! Nietzsche! Selbstgeißelung durch Worte bis zum Exodus.“

 

„Vergessen, mein Lieber? Du bist nicht existent, denn du kannst dich mir nicht beweisen. Folglich existiere ich ebenfalls nicht. Ich bin nichts, außer gefangen in meiner Wahnvorstellung. Ich kann nicht einmal Nihilist sein, denn auch der Nihilist glaubt ja, sich und die Welt aufgrund seiner Überlegungen zu erkennen. Das Einzige, was wir bemerken sind die scheinbar perfekten Weltgesetze. Und selbst diese verschwimmen in den Tiefen des Mikrokosmos, wo es keinen Determinismus mehr gibt.  – Gott würfelt nicht – wehrte sich Einstein verzweifelt gegen diese Erkenntnis. Vergeblich.“

 

„Und das soll ich jemanden abnehmen, der nicht existiert. Du widersprichst dir doch selbst. Keiner könnte etwas ausdrücken, wenn es nicht den Bezug zu einer Realität gäbe. Ohne sie könnten wir nicht so argumentieren.“

 

„Nimm einen Traum. In einem Traum ist alles so als wärest du wach, nicht? Aber seltsam, du stürzt in einen Abgrund und überlebst. Die Gesetze deiner Traumwelt sind anders. Ja, - weil es nicht die echten Gesetze sind, sagst du. Aber wer entscheidet, was die echten Gesetze sind. Sind vielleicht die Gesetze im Traum die wirklichen Gesetze oder ganz etwas Anderes??“

 

„Sage mir was du willst. Du kannst mich nicht auslöschen. Ich bin als deine Einbildung, wirklich oder nicht, real genug für eine Diskussion.  Du must weg gehen um mich auszublenden. Du kannst mich nicht ausschalten, wie ein Radio. Ich kann dich einsperren und den Schlüssel wegwerfen und du kannst die Mauern nicht verlassen. Die Gesetzte der Welt gelten für dich, ohne dass du sie anerkennen müsstest. Sie sind einfach da. Sie waren vor dir da und sie werden nach dir immer noch gelten.“

 

„Es gibt wahrscheinlich keine Antwort auf die Frage, wer von uns Recht behält. Aber jederzeit müssen wir uns im Klaren sein darüber, wie gefährlich es ist, dieser Welt mit alltäglicher Gewohnheit und Erwartung zu begegnen. So schwierig es für den Einzelnen auch sein mag eigene Erfahrungen und Erwartungen an die Welt immer wieder in Frage zu stellen, so verblüfft und überrascht wird er sein, wie Selbst- und Weltbild sich verändern können und neue Erfahrungen möglich werden.“

Tag(s) : #Grosse Gedanken

Diesen Post teilen

Repost 0