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Ain Sokhna, Ägypten, 3. Januar 2013

 

Kriminelle Ägypter einer Taxi Maffia werfen uns aus dem Taxi.

 

Wir sind erfahren im Reisen in Ägypten, aber so einen Krimi haben wir noch nie erlebt!

Auf unserer Kreuzfahrt im Roten Meer läuft die AIDAmar auch Ain Sokhna an. Da wir gern unsere Ausflüge selbst organisieren, planen wir ein Taxi nach Kairo für einen ganzen Tag zu buchen.

Gesagt, getan.

Vom Schiff bringt uns ein von Aida organisierter Shuttle zum ersten Kontrollposten. Passkontrolle und raus, ein Taxi finden. Aber so einfach, wie gedacht, geht es nicht. Gleich am Tor einige gut gekleidete Ägypter mit „Ray-Ban“ Brille versuchen uns abzufangen und zu beschwatzen. Einige schicke weiße Kleinbusse stehen schon bereit und nur mit diesen sollen wir einen organisierten Trip machen dürfen, versucht uns der lokale Capo zu erklären, keine andere Möglichkeit, würde ja auch billiger, da ja noch andere mitfahren werden und der Preis ja aufgeteilt wird.

Wir haben keine Lust auf Abzocke und ein maffiöses Monopol und schauen uns um. Einer von den Lakaien des Rädelsführers weicht nicht von unserer Seite. Das sieht nicht gut aus und Konkurrenz ist überhaupt nicht vorhanden. Später wird klar, warum.

Plötzlich fährt eine der bekannten, ältlichen Sammeltaxen vor, voll mit Ägyptern. Wir wollen einsteigen, aber sofort signalisiert einer der Schergen des Taxi-Bosses, „niet“! Der Fahrer ist eingeschüchtert und schüttelt den Kopf, als wir andeuten, einsteigen zu wollen.

Jetzt sind wir aber richtig angepisst und laufen einfach die Ausfahrstraße zu Fuß weiter und immer noch hängt unser quasselnder Schatten an uns. Beim fünften „Stop it!“ meinerseits gibt er dann doch auf. Wir laufen 5 Minuten ohne uns schlüssig zu sein, wie es weitergehen soll. Ich hoffe darauf, dass wir das Sammeltaxi auf seinem Rückweg anhalten können. Aber das ist gar nicht nötig. Das Sammeltaxi hält von selbst, jetzt wo die Mafia außer Sicht ist, und das Clübchen fröhlicher Ägypter bittet uns herein. Sie fahren nach Suez. Einer versteht ganz gut Englisch und wir machen klar, dass wir nach Kairo möchten. Nach ein wenig Diskussion steht der Preis fest, 200 Ägyptische Pfund für die Taxifahrt mit einem PKW von Suez aus, das sind 25 Euro. Wir sind einverstanden.

Aber so soll es nicht kommen. Am Hafen gibt es noch ein Haupttor. Hier stehen weitere, offensichtlich korrupte, Handlanger der bekannten Clique. Sie stoppen das Sammeltaxi als sie uns als Touristen erkennen (was nicht schwierig ist). Dann gibt es eine lautstarke Diskussion mit „unseren“ Ägyptern und den Schergen am Checkpoint. Ein breiter Typ mit einer dunkelblauen Jacke und dem Aufdruck „Security“ setzt sich durch, wir müssen raus. Seine Landsleute müssen sonst wohl das Schlimmste befürchten. Der Typ will uns verbieten, weiterzugehen. Nicht mit uns! Wir gehen einfach durch das Tor in Richtung. Handgreiflich zu werden traut sich dann doch keiner.

Vor uns liegt nun eine ellenlange gerade Straße aber in der Ferne sehen wir eine Kreuzung, hier muss eine Hauptstraße sein. Wir laufen entschlossen in diese Richtung. Kurz bevor wir die Kreuzung erreichen erschein „Security“-man neben uns in einem Volvo hält seinen Ausweis raus, der ausschaut wie ein selbstgemachter Agentenausweis aus einer „James Bond“ Spielepackung. Jetzt will er uns kostenlos in die nächste Stadt fahren. „No, thanks!“ lautet unsere Antwort. Wer weiß, was der wirklich mit uns vor hat?

Wir erreichen die Hauptstraße, es ist mäßiger Verkehr aber es fahren Sammeltaxen. Die dritte ist frei, hält, und zwei Landsleute und wir steigen ein. Der Fahrer will 5 Pfund, das sind 70 Euro-Cent. Da wir noch keine Pfund gewechselt haben, geben wir eine 1 Euro Münze. Er versteht nicht sofort, dass das mehr als 5 Pfund sind, mit Touristen hat er hier wohl nie zu tun. Leider fahren wir, wie wir später feststellen, nach Suez und nicht nach Sokhna, was einen Umweg nach Kairo bedeutet. Dafür treffen wir aber die freundlichsten Menschen in diesem Urlaub. Hilfsbereit und bemüht herauszufinden, was ihre seltene Fracht für ein Ziel hat. Aber Kairo versteht dann doch jeder. Nach einmal umsteigen in das nächste Sammeltaxi entlässt uns der Fahrer am zentralen Busbahnhof und Taxistand. Genial!

Ein Pulk wartender Taxis steht zur Auswahl. Die Fahrer wittern wohl gleich ein Geschäft und ruck zuck sind wir wieder von palavernden Taxifahrern umgeben. Wir entscheiden uns für ein grünes Peugeot 504 Taxi (mein Traum, ich hatte mal so einen Wagen vor 20 Jahren). Der Fahrer trägt einen Rauschebart. Wir sitzen drin, 200 Pfund wird der Preis für die Hinfahrt sein. Doch der Wagen fährt nur 20 Meter und hält bei einem 08/15 Taxi und übergibt uns an dieses. Die Fahrer sind wohl befreundet. Warum er dies tut, darüber können wir aufgrund der schwierigen Verständigung nur spekulieren. Ich habe 2 Theorien, zum einen könnte es sein, dass der alte Wagen diese Strecke nicht gut vertragen hätte, zum anderen, dass der Fahrer vielleicht keine Kenntnis von Kairo hatte. Der Fahrer heißt Machmut. Das klingt optimistisch!

Es wird ein aufregender Trip nach Kairo. Die Fahrweise ist für uns Europäer gewöhnungsbedürftig aber ich komme zu dem Schluss, dass ich hier auch fahren würde. Insbesondere nach den Erfahrungen in Südosteuropa, dem letzten Urlaub, hier war der Verkehr in Sofia der Höhepunkt. Wir können uns mit dem Fahrer einigen, dass er auf uns für die Rückfahrt wartet. Erstes Ziel ist das Ägyptische Museum. Hier wartet er 3 Stunden auf einem Parkplatz. Dann fahren wir zu einem einheimischen Basar. Machmut begleitet uns auf dem Basar, hält sich aber im Hintergrund. Später empfiehlt er uns ein Restaurant und eine Shisha Bar in der hintersten Gasse von Kairo. Es wird ein gelungener Tag.  Machmut bringt uns heil zurück in den Hafen und wir bedanken uns durch ein Trinkgeld zusätzlich zu dem vereinbarten Fahrpreis. Es wird ein herzlicher Abschied und wir haben ein bisschen mehr über Ägypten erfahren, wie so mancher Pauschaltourist.

 

Warum schreibe ich dies?

Wir sind für fairen Tourismus. Wir möchten, soweit es geht, selbst entscheiden, wen wir mit unserem Konsum unterstützen. Das ist sicherlich anstrengender und es drängt sich die Frage auf, - warum organisiert ihr dann nicht gleich alles selbst? – Reine Zeitfrage.

Wer kurz entschlossen einen Urlaub bucht, bucht ein fertiges Paket, hat keinen Einfluss, wem er sein Geld in den Hals schüttet. Die Tourismusunternehmen sind vor Ort auf potente Partner angewiesen. Wie korrupt diese das managen kann ihnen egal sein, schließlich müssen sie selbst profitabel sein und nichts ist schlimmer als Kundenkritik am Service, besonders bei den Deutschen Urlaubern, den Mustertouristen schlechthin.

Was wir tun ist ein Kompromiss. Wir kaufen das Angebot von der Stange, nur dort, wo wir flexibel sein können entkoppeln wir uns vom Einheitsbrei.  wir si

Tag(s) : #Freizeit

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