Poemetrie

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Sunday, 31. january 2010 7 31 /01 /Jan. /2010 21:23

Die Frau am Nebentisch reibt Parmesan über ihre Nudeln. Der Kerl an der Theke poliert Gläser. Ich nippe an einer faden Tasse Kaffee.

Was ist passiert? Wie komme ich in dieses miese Rasthaus an irgendeinem Highway?

Ich versuche mich zu erinnern und zu fassen, was geschehen ist. In meinem Kopf kein klarer Gedanke. Nur ein dumpfes Gefühl als hätte ich 3 Nächte hintereinander nicht geschlafen.

 

Gestern hatte ich mich voll Optimismus aufgemacht, Pleasureville zu verlassen. Es musste sein. Irgendetwas in meinem Gehirn zwang mich dazu.

 

Pleasureville war für anderthalb Jahre meine Heimat geworden. Ein ruhiges verschlafenes Nest in den Hügeln mit grünen, saftigen Wiesen. Einem süßen Duft und einer Schönheit in die ich mich sofort verliebt hatte. Die Menschen dort sind freundlich und aufgeschlossen. Es gab keinen Anlass miteinander zu streiten. Harmonie, Ruhe, Vogelgezwitscher und duftige grüne Wälder. Es erschien mir fast wie das Paradies.

 

Aber was kann ein unsteter Geist wie ich schon mit dem Paradies anfangen?

Jedenfalls begann ich mich zu langweilen, ich, der ich aus Venture City stamme, dachte immer häufiger an die Verlockungen und Laster der Großstadt. Ich vermisste sie mehr und mehr, wie ein Süchtiger.

 

So packte ich kurzerhand meine sieben Sachen und verließ Pleasureville. Die Menschen dort waren entsetzt und versuchten, mich zurückzuhalten. „Du wirst dort nicht mehr glücklich werden, es ist zu lange her, versuch deinen wahren Gefühlen zu folgen.“

 

Aber welche Worte können einen Junkie schon von seinem Vorhaben abhalten? Und ich bin wahrscheinlich abhänging von Venture City. Diese Stadt mit allen ihren aufregenden Plätzen, an die ich mich erinnere, aber auch ihren abgründigen Szenen, die mein Verstand verdrängt hat, denn dieser Verstand ist der eines verwirrten Einfallspinsels.

 

Hals über Kopf verließ ich Pleasureville. Wer sich zu lange verabschiedet, der wird nur unsicher und weich. Nein, ich wusste genau, was ich tat, und warum!

 

Der Weg nach Venture ist kompliziert. Man kann sich nicht auf vernünftige Verkehrsverbindungen verlassen. Ständig ändert sich die Verkehrsführung und leitet Hinreisende in die Irre. An diesem Tag war zudem das Wetter nicht auf meiner Seite. Es war diesig und regnete. Doch das schreckte mich nicht ab. Je näher ich der Stadt kam, roch ich ihren verwegenen Duft. Diesen Duft, der nach Abenteuer aber auch nach Verderben riecht und dennoch anzieht, wie Kerzenlicht Insekten anzieht.

 

Auf dem Highway las ich den Namen der Stadt all meiner Abgründe und suchte die richtige Ausfahrt. Sackgasse.JPGAlsbald fuhr ich ab. Die Gegend kam mir bekannt vor, bald würde ich am Ziel sein und mir übergangsweise ein Zimmer suchen. Der Himmel entlud ungeachtet dessen weiter seine Wasserfälle.

Zielsicher, so glaubte ich zu wissen, folgte ich den richtigen Abzweigungen. Überraschenderweise lichteten sich die Häuserfluchten wieder und ich gelangte in unbekanntes Gebiet. Auf der linken Straßenseite hielt ein Taxi mit brennenden Scheinwerfern. Ich wendete meinen Wagen und hielt mit dem Taxi auf gleicher Höhe. Der Fahrer schien abwesend, als ich das rechte Seitenfenster herunterließ, um nach dem Weg zu fragen. „Hallo!“ rief ich laut in seine Richtung. Er sah zu mir herüber und schien mich eine Ewigkeit zu mustern. Dann öffnete er langsam sein Fenster. „Was’n los?“.

„Ich möchte in die City.“

„Welche City?“

„Wo bin ich denn hier?“.

„Orville!“

Das war meilenweit von meinem Ziel entfernt.

„Ich suche den Weg nach Venture City!“

„Ich könnte ihnen den Weg über die Landstraße erklären, aber das finden Sie nie, fahren Sie zurück auf den Highway! Etwa zwei Meilen geradeaus, am Motel links. Danach ist es ausgeschildert.“

„Danke!“

 

Er beachtete mich bereits nicht mehr. Ich fuhr los. Langsam sah ich die Scheinwerfer im Rückspiegel meines Wagens verblassen. Das Taxi bewegte sich nicht von der Stelle.

Venture City hatte mich in die Irre geleitet. Aber ich fand den Weg zurück auf den Highway. Jetzt konnte nicht mehr viel Unerwartetes passieren, dachte ich.

 

Was hast du vor du Stadt meiner Träume? Willst du mich verschlingen oder für immer vertreiben? Sei bereit meine Sucht zu befriedigen!

 

An der nächsten Ausfahrt achtete ich besonders darauf, dass ich diesmal auf keinen Fall falsch abfuhr. Vor mir sah ich eine Limousine des Holiday Inn of Venture City. Das Holiday Inn war mitten in der Stadt. Ich folgte dem Wagen. Es konnte nichts mehr schief gehen. Nach fünfzehn Minuten bog der Wagen links ab. Ich fuhr geradeaus weiter. Merkwürdig! So wenige Lichter. Eigentlich hätte hier schon das Lichtermeer des Stadtzentrums auftauchen müssen. Die Straße machte einen Knick und, - war zu Ende. Ich war in eine Sackgasse gefahren. Vor mir eine rote Leuchtreklame. „Daisy’s“ war darauf zu lesen.

 

Ich musste jetzt endlich die Orientierung wieder gewinnen. So durfte es nicht weiter gehen. Ich stieg aus und lief zur Tür dieses Ladens. Als ich näher kam, bemerkte ich, dass der Schuppen ziemlich heruntergekommen war. Es schien mir ein ziemlich billiger Animierclub zu sein.

Egal, - fragen und schnell wieder weg.

Um eingelassen zu werden musste ich erst die Klingel betätigen. Hinter der Eingangstür befand sich ein dämmriger Raum, an den Seiten plüschige Sofas mit Tischen und zentral eine Theke um die herum Barhocker angeordnet waren. Süßlicher Duft, gemischt aus Parfum, Alkohol und unzähligen Liebesakten drang in meine Nase. Auf einem der Barhocker konnte ich eine Gestalt ausmachen. Zielstrebig bewegte ich mich auf die Theke zu und erblickte einen schmalen Kellner mit Ziegenbart. Er schob sich auf mich zu.


„Neu hier, hmm?“

„Ich suche nur den Weg in die City.“

„Na, dann sind Sie ja hier genau richtig, was darf ich ihnen bringen?“

„Nein, nein, Sie müssen mir nur den Weg erklären, wie…..“

„Hallo, Süßer! So allein?“

Die Gestalt vom Barhocker war unbemerkt zu mir herübergekommen und entpuppte sich als Wasserstoffblondine mit hagerem, grell geschminktem Gesicht. Ich zuckte unwillkürlich zurück.

„Hey, hey, keine Angst Süßer. Ich beiße nicht!“

 

Ich machte kehrt und verließ den Laden mit schnellen Schritten. Hinter mir vernahm ich ein paar abfällige Bemerkungen, die ich einfach ignorierte.

Unter normalen Bedingungen hätte ich mich in solchen Situationen wohl gefühlt. Nun aber suchte ich nur den Weg in die Stadt um endlich zur Ruhe zu kommen. Wie von Geisterhand bewegt, fand mein Wagen den Weg zurück zum Highway. Ich musste so schnell wie möglich eine Tasse Kaffee haben und ein paar gute Anweisungen, um endlich ans Ziel zu gelangen. Ein Schild kündigte die Raststätte an und ich verließ den Highway. Eine Pause, das würde jetzt gut tun. Ich sah die Lichter der Zufahrt und die Parkplätze. Die Lichter wurden greller und greller.

Als ich die Augen öffnete sah ich in das Licht meiner Nachttischleuchte. Ich lag auf dem Bett meines Motelzimmers.

 

Alles nur ein Traum!

 

Aufgewacht aus dem Rausch meiner Sucht. Der Raum um mich herum drehte sich. Keine Kraft aufzustehen. Widerstandslos erkannte ich, dass ich erneut in eine Ohnmacht versank.

Pleasureville, dachte ich, - alles wurde dunkel.

 

Die Frau am Nebentisch reibt Parmesan über ihre Nudeln. Der Kerl an der Theke poliert Gläser. Ich nippe an einer faden Tasse Kaffee. Ich befinde mich auf dem Weg nach Venture City. Ich stehe auf, gehe zur Theke und bezahle. Draußen wartet mein Wagen. Ich steige ein und lasse den Motor an. Gleich werde ich in Venture City ankommen und mein Glück finden ……….

von Poemetrie - veröffentlicht in: Short Story - Community: Writers Club
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  • : 5.07.2009
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