Komisch! Nach Weihnachten hat die Gravitation dieses Planeten immer etwas zugenommen. Ich merke dies dann, wenn ich mich auf die Waage stelle. Seltsam, wie die Physik auf Christi Geburtstagsfeier mit solch neuen Gravitationskonstanten reagiert?
Nach Weihnachten ist man auch immer mit schönen neuen Erlebnissen ausgestattet. Zum Beispiel, wie sich Tante Liese über ihren beleuchteten, grünen Kunststoff Kaktus gefreut hat, den ich schon immer loswerden wollte. Weihnachten ist halt das Fest der Liebe und dem Aussortieren von früheren Geschenken, mit denen nun andere liebe Menschen beglückt werden. - Ihr wisst, was ich meine.
Weihnachten ist auch die Zeit, in der man alle Lieben um sich herum glücklich zu machen trachtet. Das erwartet die Welt und alle anderen auch von einem. Wehe, wer da versagt und vielleicht das Falsche zur falschen Zeit in eine Schallwelle verwandelt. Schall hat die Eigenschaft, dass er sich vom Sender kugelförmig ausbreitet und nicht etwa gerichtet, was regelmäßig dazu führt, dass man mehr Menschen, als erwartet, mit seinen ptolemäischen Weltansichten beglückt, als man wirklich erreichen wollte. Ruck-Zuck hängt der Haussegen schief was ich regelmäßig an den Tragödien ablesen lässt, die sich vornehmlich zur friedvollsten Zeit des Jahres abspielen. Von denen, mit viel Geist vom Weine erfüllten, mal ganz abgesehen.
Somit wird Weihnachten auch zum Fest der Wahrheiten, die keiner verträgt, obwohl der Schöpfer
Christus auf die Welt geschickt hat, damit dieser schonungslos dieselbe verkünde.
Ausgestattet mit diesem, zugegeben etwas profanen, Ratschlag Gottes, musste Jesus natürlich ständig bei allen Leuten, die er so traf, anecken. Die Geschichte kennt ihr: es konnte letztlich nur am Kreuze enden.
Der Mob war durch das ständige „die Wahrheit ertragen müssen“ so gestresst, dass die höfliche Nachfrage um Nachsicht für Jesus durch den römischen Präfekten Pontius Pilatus sang- und klanglos überhört wurde. Und Kreuzigung war nun mal eine Lieblingshinrichtungsmethode dieser Zeit, also die logische Folge weshalb nun viele unseren Jesus am Kreuz vor sich hängen haben oder am Silberkettchen mit sich herum tragen. (Man stelle sich nur vor, die Römer hätten den Jesus an eine Wand genagelt).
Also halte ich mich lieber an eine andere Weisheit, die da lautet, zum richtigen Zeitpunkt einfach „Schnauze halten“.
Dazu hat man besonders auch dann gute Gründe, wenn man sich stundenlang vor dem Fernseher verlustiert - denn zu Weihnachten haben die Menschen endlich einmal viel Zeit für sich, also um fernzusehen. Oder auch für das Internet. Ich selbst ernte häufig riesiges Lob, darüber, dass ich solange in typischer Fehlhaltung vorm Computer aushalte. Dafür habe ich auch schon mehrere Awards von meinem Publikum erhalten.
Doch die Vorteile überwiegen gewaltig, lautet doch das geflügelte Sprichwort „wer fernsieht, der sündigt nicht“! Es sei denn, es handele sich um einige dieser schlüpfrigen Produktionen des Genre FSK18, die sicher auch an Weihnachten eine nicht unbedeutende Rolle spielen und so manchem eine Freikarte in Richtung Sodom und Gomorrha einbringen möchten, (wenn es nach dem Herrn Pfarrer ginge).
Glück dem also, der seine Gattin an Weihnachten daheim hat und deshalb getrost auf FSK18
verzichten kann, weil nach so vielen Glückserlebnissen an Weihnachten sicher auch noch eine glückselige Orgie mit der Angetrauten im ehelichen Bette vollzogen werden kann. Falls dem nicht so ist, so lag es vielleicht am geschenkten "Slim Fast Body Suit" oder einer anderen Missstimmung, ausgelöst durch die Wirkung eines jener Ereignisse an Weihnachten, die ich schon weiter oben im Text erwähnt haben dürfte.
So kommt es nicht selten zum ehelichen oder sonstigen Zerwürfnis, ausgelöst durch Muße, sich zu Weihnachten Zeit für eine Reflektion auf die wirkliche Wirklichkeit des eigenen Seins und seine Zufriedenheit zu gönnen.
Und mit Verlaub, - die Institution der Ehe wurde zu Zeiten des Menschen gegründet, als dessen Lebenserwartung mal gerade um die Dreißiger, Vierziger lag und man nach zehn bis maximal zwanzig Jahren wirklich noch durch den Tod geschieden wurde.
Heuer übernimmt dies in vielen Fällen das Familiengericht und bei manchen gleich mehrfach und schafft in unserer Gesellschaft den einen oder anderen lukrativen Wirtschaftszweig. Auf eine Ehe, die zwei Generationen überdauern muss, ist nun wirklich niemand vorbereitet. Ich hatte zwischendurch die Idee, Ehe-Bonuszertifikate mit je 10, 15 oder 20 Jahren Laufzeit herauszubringen. Oder vielleicht Verträge mit flexibler Kündigungsfrist: Nach jeweils 5 Jahren verlängert sich die Kündigungsfrist um je einen Monat.
Merkwürdig ist nur, dass, wie man einschlägigen Gazetten entnehmen kann, die neuen Lebensabschnitts-Partner der Männer immer jünger, die der Frauen immer älter werden. Alt sein ist in unserer Gesellschaft, die lustigerweise durchschnittlich ständig älter wird, ein Attribut, welches vielleicht durch einen Partner im Kindesalter ausgeglichen wird, aber niemals durch Weisheit, wie es früher einmal gewesen sein soll. (Das Eine würde ja auch das Andere ausschließen). Ich glaube ja, das dahinter der diabolische Wille mancher Frau steckt, mit höchster Wahrscheinlichkeit durch den Tod (in diesem Fall des männlichen Partners) geschieden zu werden.....
Das Paar Michelle Schumann
und Franz Müntefering.
Foto: ddp
So blicken wir dann etwas verstört zurück auf unser „Fest der Liebe“ und freuen uns auf Silvester und
die guten Vorsätze im neuen Jahr. So auch den Vorsatz: „nächstes Weihnachten, da machen wir das alles mal ganz anders, vor allem weniger essen!“
Ich wünsche einen guten Rutsch!

Foto: DDP
Unver-Blüm-t: "un imme dran denge, - de Rende iss sischer" (zumindest für ehemalige MDB)