Im Zuge der Entwicklung der Wissenschaften hat sich herausgestellt, dass alle unsere Alltagswahrheiten in
Frage gestellt werden müssen, sobald wir ihnen mit allem verfügbaren Instrumentarium auf den Leib rücken.
Dies geschieht im Wesentlichen auf 2 Ebenen:
Zum einen, wenn sich die Wissenschaft in den Weltraum und an die Grenzen der Entstehung des Universums bewegt. Zum anderen, wenn sie in die Tiefen des Mikrokosmos in Bereiche der atomaren und subatomaren Objekte vordringt.
In beiden Bereichen wurden im 20. Jahrhundert neue Theorien über die Welt entwickelt, die sich experimentell bestätigen ließen. Die eine große Theorie ist die von Einstein begründete Relativitätstheorie. Die andere die von Max Planck zur Geburt verholfene Quantenphysik auf der die Quantenmechanik gründet.
Kopfschmerzen bereitet den Wissenschaftlern von heute, dass sich beide Theorien nicht in einer einzigen Theorie vereinigen lassen und sich insbesondere keine quantenphysikalische Beschreibung der Gravitation entwickeln ließ. Für die Wissenschaft bedeutet dies, dass es neben der Relativitäts- und der Quantentheorie noch Erkenntnisse fehlen müssen, die bis heute nicht aufgedeckt wurden.
Zwar gibt es eine Menge neuer Definitionsversuche, als Bespiele seien Stringtheorie oder Quanten-Loop Gravitation genannt. Von einem Durchbruch scheint die Physik aber weit entfernt zu sein. Zudem bringen Phänomene, wie die vermutete Dunkle Energie oder die Dunkle Materie, zusätzliche Parameter ins Spiel, deren Ergründung noch Physiker-Generationen beschäftigen wird.
Ich wende mich hier einem Teilaspekt zu, - Der Zeit.
Nach unserem alltäglichen Empfinden, glauben wir zu bemerken, dass es einen Zeitfluss gibt. Die Zeit scheint eine selbständige Größe zu sein, die verrinnt, wie das Wasser einer Quelle an uns vorbeirieselt. Unsere Erfahrungen trennen wir in Vergangenheit, das was war, Gegenwart, das was ist, Zukunft, das was vor uns liegt.
Das Weltbild eine eigenständigen Zeit, die schon immer existierte und immer existieren wird entspricht dem Weltbild Newtons.
Aber schon bei Betrachtung der Gegenwart müssen wir uns fragen, wie diese denn faktisch aussehen kann. Für den Menschen erscheint die Gegenwart wie der lebendige Augenblick. Ich sitze grade an diesem Artikel, mir fallen "gegenwärtig" Worte und Sätze ein. Ich drücke die Tasten auf meiner Computer-Tastatur und lese gleichzeitig diesen Text und korrigiere sogleich Tippfehler oder ändere Worte und Satzstellung, wenn mir etwas nicht gefällt. Ich habe den Eindruck, diese Gegenwart hat die Dauer von einigen Sekunden, danach ist der fertige Satz bereits ein Produkt meiner vergangenen Arbeit.
Gibt es diesen Gegenwartsbegriff physikalisch?
Die Relativitätstheorie hat bereits mit dem Begriff einer "Universellen Zeit" a la Newton Schluss gemacht, indem sie widerspruchsfrei beschreibt, dass die Zeit für verschieden schnell bewegte Beobachter und in unterschiedlichen Grativtationsfeldern voneinander abweicht. Streng genommen erlebt jeder Beobachter seine eigene individuelle "Zeit". Im Alltag fällt uns das nicht auf, da die die Zeit beeinflussenden Größen Geschwindigkeit oder Gravitation nicht stark genug sind. (Allerdings mussten für ein funktionierendes GPS Korrekturen zur Kompensation relativistischer Effekte eingebaut werden)
In diese Betrachtung hinein fällt die Erkenntnis, dass ein Zeitbegriff, wenn er von Raum und Materie abhängig ist, ohne diese keinen Sinn machen kann. Betrachten wir also ein "Nichts" (was nur ein Gedankenspiel ist, denn der Betrachter würde dieses Nichts sofort auflösen), so stellen wir dort keine Zeit fest. Das ist fast schon eine quantenphysikalische Analogie indem nämlich Zeit erst durch den Betrachter (durch das Messen dieser) entsteht.
Physikalisch betrachtet kann "Gegenwart" eigentlich nicht existieren, denn beleuchtet man den Begriff Zeit intensiver, so stellt man fest, dass Zeit ein Produkt der ständigen Veränderung der Materie im Raum ist. Raum entsteht, wenn Materie auftritt, Zeit entsteht, wenn Materie mit Raum und sich selbst (und wer weiß schon mit was noch) wechselwirkt.
Spreche ich also von Gegenwart, so muss ich den kleinsten Zeitraum definieren, nämlich den, in dem es keine Veränderung sämtlicher Eigenschaften des Raumes und der in ihm befindlichen Materie gibt. Da die Prozesse in den Elementarteilchen mit so großer Geschwindigkeit ablaufen, muss dieser Zeitraum winzig klein sein. Er ist für Menschen unvorstellbar klein. Können wir diesen Zeitraum aber physikalisch definieren, so finden wir damit auch den kleinsten sinnvollen Zeitraum innerhalb des Begriffes Zeit. Ein kleinerer Zeitraum würde physikalisch überhaupt keinen Sinn ergeben. Als Ergebnis muss man vermuten, dass Zeit in "Stücken" abläuft, also "gequantelt" ist und ebenso der Raum. Die Theorie, die das beschreibt wird Schleifenquantengravitation oder Loop-Quantengravitatation genannt und steht im Gegensatz zur Stringtheorie. Nach dieser Theorie ist Zeit „Die Abfolge von Ursachen und Wirkungen“.
Konsequenz ist aber, eine Gegenwart, wie es uns unser Gehirn suggeriert, gibt es nicht. Diese Erkenntnis hat eine riesengroße Tragweite für unseren Weltbegriff. Erreicht man nämlich diesen Punkt, so sitzt man automatisch in einer gigantischen philosophischen Zwickmühle. Die Zerstörung des Gegenwartsbegriffs hat zu Folge, dass man z.B. Begriffe wie "eigener Wille", "Freiheit des Individuums" und das Denken selbst in Frage stellen muss.
Der Text des Videos hat einen Fehler. Statt "10 bis 32 mm" muss es heißen "10 hoch minus 32 mm".
Die Sprechering muss das Minus als "bis" interpretiert haben. (Das kommt davon, wenn man Laien
wissenschaftliche Texte lesen läßt)