Es beginnt wie die letzte Krise: Sorgen um die Rückzahlung von Krediten. Und Griechenland hat viele Kredite. Eine Pleite Islands konnte man wegstecken. Griechenland wird erst die EU und dann das weltweite Finanzsystem in den Abgrund reißen. Zusätzlich wird es zu einem Dominoeffekt kommen, weil andere schwache Staaten, wie Portugal oder Spanien diesen erneuten Crash nicht verkraften können.
Wegen der letzten Finanzkrise können die Regierungen (der Steuerzahler) nicht auf gleiche Art und Weise einspringen. Man wird die Kreditgeber Griechenlands pleite gehen lassen. Da diese im weltweiten Finanzsystem ihr Schulden weiter "verkauft" haben, klappt in einer Kettenreaktion ein Institut nach dem anderen zusammen. Am Ende gucken wieder die Privatanleger in die Röhre, weil sie nicht erkennen, dass ihr Geld in griechischen Krediten steckt. (Und das nicht sichtbar zu machen, ist ja der Sinn dieser Papiere)
Griechenland hat 300 000 000 000 € Schulden. Der Bankrott Griechenlands kann verzögert werden, notfalls sogar über Jahre. Verhindert wird er nicht, da die Griechen nicht freiwillig (das würde kein Volk) auf ihren Standard verzichten wollen. Sie tragen also ihr Geld auf ausländische Konten, oder, wenn sie geschickt sind, kaufen sich rechtzeitig wertstabile Anlagen. Gold oder Immobilien.
Eigentlich müssen diese Transfers verhindert werden. 8 Millarden Euro haben die Griechen bereits von ihren Konten abgehoben. Aber, wie immer, schaut die EU tatenlos diesem Treiben zu, denn dieses Geld ist eigentlich nicht mehr da. So schrecklich wie es für die Bürger wäre, müßte man dieses Treiben verhindern, dass Gelder transferiert oder umgeschichtet werden.
Zitat Yahoo Finance:
Nach Meinung vieler Marktteilnehmer wird sich die Griechenland-Krise noch weiter verschärfen: "Griechenland wirkt wie ein Zugunglück in Zeitlupe", zitiert die Nachrichtenagentur Bloomberg aus einer Analyst von Steve Barrow, der bei der Standard Bank in London die Währungsstrategie leitet. "Der Zusammenstoß ist noch nicht erfolgt, aber er wird kommen. Bemühungen, das Unglück zu vermeiden, scheinen zum Scheitern verurteilt, egal ob es Notfallkredite oder andere Initiativen sind. Die Renditeaufschläge werden noch viel weiter steigen", schreibt Barrow.
Übersetzt bedeutet das, dass der Zusammenbruch verschoben aber nicht verhindert werden kann. Denn Griechenland ist bereits in der Todesspirale. Zur Finanzierung seiner Zahlungsverpflichtungen werden immer neue Kredite benötigt. Da kein Investor sein Geld wegwerfen will, muss Griechenland immer mehr für seine Kredite zahlen. Dies verstärkt die Schulden und verschlechtert die Situation so lange, bis der Zusammenbruch perfekt ist, weil niemand mehr Geld an Griechenland verleiht.
Ich habe vor einiger Zeit in einem Artikel " Wie bastelt man sich eine Finanzkrise" relative hypothetisch beschrieben, wie dieser Prozess abläuft. Ironie der Geschichte ist, dass dieser Prozess in Griechenland gestartet ist. Deshalb hier noch einmal zum nachlesen und nachdenken:
Wie bastelt man sich eine Finanzkrise - Eine kurze Anleitung:
Wir basteln uns eine neue Finanzkrise:
1. Gehen Sie morgen früh los und heben Sie alle ihre Ersparnisse ab.
2. Verkaufen Sie alle Ihre Wertpapiere.
3. Kündigen Sie Ihre Lebensversicherungen, Immobilienfonds, Sparverträge, .....
4. Sorgen Sie dafür, dass alle Ihre Bekannten das Gleiche machen
5. Sorgen Sie dafür, dass auch Ihre Bekannten das von deren Bekannten verlangen.
Fertig!
Glauben Sie nicht? - Ist aber so!
Also bitte auf keinen Fall in die Tat umsetzen.
All das Geld, welches die gesamte Bevölkerung "besitzt", ist nicht verfügbar, wenn alle gleichzeitig darauf zugreifen wollen. Die Märkte sind globalisiert. Das hat auch nichts damit zu tun, dass einige Manager im Ländle zu hohe Boni kassieren.
Das sind, frei nach Hilmar Copper, "Peanuts".
Sie persönlich können morgen alle Ihre Investments "liquidieren", kein Problem. Wenn das aber alle tun, ist es ein Problem. Das Geld ist gar nicht da, da die Leute, denen Sie es gegeben haben, es weiter investiert haben. Und diese wieder und wieder und wieder und wieder. Würde man das Geld schlagartig zur Verfügung stellen, es also drucken, so käme es augenblicklich zu einer kollossalen Geldentwertung die zur Vernichtung des Geldwertes führen würde.
Geld hat keinen realen Wert an sich, sondern ein geldwertes Versprechen auf einen Wert. Dieser Wert ist völlig beliebig. Will sich ein Staat seiner Schulden entledigen, kann er den den Wert des Geldes auf quasi Null setzen und so seine Bürger zwingen,von vorn zu beginnen. Es gibt Staaten mit einer Inflation von mehr als 10.000% im Jahr.
Auch der Geldschein in Ihrer Geldbörse ist nur ein Versprechen. Wenn morgen der Liter Benzin an der Tankstelle 800 Euro kostet, wird ihnen dies klar werden: Geldstabilität ist eine unheimlich schwierige Aufgabe. Die Notenbanken der Welt müssen hart dafür arbeiten, diese Geldstabilität zu gewährleisten.
Noch schwieriger wird es mit Wertpapieren. In der Realwirtschaft sind Wachstumsraten von 5% im Jahr realistisch. Nicht realistisch sind Wachstumsraten von 20% und mehr. Dies kann die Realwirtschaft nicht leisten. Steigen also Wertpapiere in diesen Dimensionen, so kann es daran liegen, dass sie unterbewertet waren oder, anderenfalls, der Wert durch verschiedene Mechanismen gepuscht wird.
Betrachtet man die Wertentwicklung des DAX seit 1960, so fällt auf, dass, trotz realem
Wirtschaftswachstums, sich die Börsenwerte der Unternehmen bis 1985 kaum verändern. Das sind 25 Jahre Stagnation.
Danach kippt dieses konservative Szenario.
Grund ist die beginnende Globalisierung der Märkte mit ungeahnten Möglichkeiten, den Blick auf realwirtschaftliche Tatsachen zu verschleiern.
In den folgenden 15 Jahren bis zum Jahr 2000 kommt es zu einer Wertsteigerung um fast 1000%.
Am Ende steht der Zusammenbruch einer gigantischen Spekulation ausgelöst durch den Neuen Markt.
Unternehmen, die eigentlich keine realwirtschaftliche Grundlage haben, ja nicht einmal ein Produkt haben, sind plötzlich Milliarden Wert.
Schmerzhaft ist nur, dass diese Verluste real eintreten, nicht etwa virtuell. Schliesslich handelt es sich nicht um Spielgeld, wie beim Monopoly.
Diejenigen, die ihre Gewinne rechtzeitig realisiert haben, werden bei diesem Spiel reich, manche super reich. Im Grunde genommen ist der Markt eine Art von Glückspiel, bei dem aber die Gewinnchancen nicht aufgedeckt werden. Wer mitspielt, muss dies einfach wissen. Darum finde ich es auch armselig, bei diesem Spiel mitzumachen und anschliessend Banken zu verklagen, mich nicht gewarnt zu haben.
Können Sie die Spielbank verklagen, wenn Sie verlieren?
Schliesslich sitzen in Ihrer Bank relativ dumme Menschen, denen man mühsam beigebracht hat, wie sie die für die Hausbank attraktivsten Finanzprodukte an den Mann, also an Sie bringen müssen. Diese Menschen nennt man zwar "Berater", sie haben aber in den meisten fällen überhaupt kein umfangreiches Wissen über die Finanzmärkte. Eigentlich sind sie nicht vertrauenswürdiger als Verkäufer in einem Warenhaus.
Diejenigen, die sich wirklich in der Finanzwelt auskennen, sind überhaupt nicht an ständig steigenden Kursen und Renditen von 3 - 5 % interessiert. Wie sollte man dabei reich werden?
Deshalb müssen immer wieder Mechanismen gefunden werden, die hohe Kurse zusammenbrechen lassen um wieder zu attraktiven Einstiegskursen zu kommen, damit das (reale) Geld der "dummen Masse" in die Hände der Könner gespült werden kann.
Links:
Anleger stellen sich auf Pleite Griechenlands ein
Griechenland rückt immer näher an den Abgrund