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Sie haben erst seit kurzem mit Italien zu tun und werden zu einem Arbeitstreffen mit Italienern eingeladen. Vielleicht können Ihnen ja folgende Informationen dabei helfen, zu verstehen, was im einzelnen passiert, so dass Sie im Umgang mit Italienern in Zukunft etwas nachsichtiger sind.

Arbeitstreffen lassen sich in 2 Kategorien unterteilen, in solche mit gleichrangigen Kollegen und solchen mit Chefanwesenheit. Diese letzten könnte man als respektvoll charakterisieren, d.h., der Chef spricht und alle anderen lächeln und stimmen zu. Untergebenen hört man verständnisvoll zu, mehr nicht. Stimmen also die Italiener immer mit dem Vorgesetzten überein? Nein, das nicht, aber ein formelles Treffen wird nicht als der geeignete Ort für das Austragen von Unstimmigkeiten angesehen, vor allem nicht, wenn Fremde anwesend sind, da ist man eher untereinander solidarisch.

Nicht ohne Grund entsteht der Eindruck, dass der Chef die Achse ist, um die sich alles dreht. In italienischen Betrieben, vor allem den kleineren, ist der Chef mehr der Familienvater, derjenige, der die Entscheidungen trifft und die Zuständigkeiten verteilt. Sich mit dem Chef zu verstehen ist daher von fundamentaler Wichtigkeit, denn von ihm beachtet zu werden ist entscheidend, um Karriere zu machen.

Wenn Deutsche also an solchen Meetings teilnehmen, wundern sie sich über ein Verhalten, dass als Unterwürfigkeit interpretiert wird und doch eine Form von Respekt darstellt, wie er in unserer Gesellschaft nicht mehr so präsent ist.

Ganz anders wenn italienische Kollegen gleichen Ranges aufeinander treffen. Dabei kann es vorkommen, dass man Zeuge von Temperamentsausbrüchen wird, was entweder amüsant oder auch unangenehm wahrgenommen werden kann. Die Diskussionen könne stark emotional und mit lauten Stimmen ausgetragen werden. Es entsteht für Uneingeweihte der Eindruck, hier herrsche ein handfester Streit. In Wahrheit streitet aber niemand. Man ereifert sich, nimmt lebhaft teil und gestikuliert.

Regen Sie sich also nicht darüber auf, wenn Sie sehen, dass ...

- jemand mit der Faust auf den Tisch schlägt

Das macht er um in einem sehr lauten Augenblick zusätzliche Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, um die Wichtigkeit des von ihm gesagten zu unterstreichen oder sich von der Last einer Meinungsverschiedenheit zu befreien. Oder auch nur aus Enthusiasmus.

- alle sich gegenseitig ins Wort fallen.

Dies kann für Menschen, die gewohnt sind, strukturierte Besprechungen abzuhalten, schon sehr nervig sein und wird oft als Mangel an Respekt angesehen. Mehr aber liegt es an der italienischen Dynamik und Rhetorik die zu einem stärkeren Engagement der Teilnehmer führt. Störende Einzeldiskussionen werden jedoch häufig energisch zum Schweigen gebracht.

- jemand, der bisher engagiert mitgemacht hat, steht auf und verläßt den Raum.

Damit drückt er möglicherweise Nichtzustimmung aus oder benötigt eine Ruhepause um sich emotional abzukühlen.

- jemand, meistens alle, kommen zu spät und niemand regt sich darüber auf.

Es gibt ein unausgesprochenes Einverständnis darüber, dass eine Verspätung durch widrige Umstände bedingt sein kann. Allgemein sind italienische Kollegen in der Bewältigung ihrer Arbeit und Termine eher leger. Andererseits macht man bereitwillig Überstunden und es wird als schlimmer empfunden, einen Besprechungstermin fristgerecht beenden zu wollen, als zu spät zu kommen.

- die Handys bleiben an und es wird laut während einer Besprechung telefoniert.

Für Menschen, die sich daran nicht gewöhnt haben ist das ein Fiasko. Wenn das Handy klingelt wird alles gerade noch Aktuelle unterbrochen, man steht auf, telefoniert und niemand fühlt sich gestört oder es ist ihm peinlich. Jeder weiß, dass er vielleicht der Nächste ist, der dieses Verhalten an den Tag legen wird.
Das Telefon, insbesondere das Handy, ist für die südländische Kultur geradezu eine Bereicherung ihrer Bedürfnisse. Der Italiener ist ein Individuum der Kommunikation. Das müssen keine hochtrabenden Gespräche sein. Wichtig ist, dass man in Kontakt ist, sich rückversichert und bei Vorgesetzten respekt bekundet.

Hoffen Sie nicht, dass das Ziel einer Besprechung ein bestimmtes, klares Ergebnis ist. Oft gehen alle ohne eine Entscheidung auseinander. Viel wichtiger als Ziele sind der Eindruck über die Moral der Untergebenen und der persönliche Kontakt. Die Entscheidungen sind möglicherweise schon vorher getroffen. Über so etwas unterhält man sich beim Essen oder in der Nähe einer Kaffeemaschine und braucht keine Termine.

Während einer Versammlung hat jeder das Recht, sich zu melden, alle werden brav angehört und unterstützt. Ob eine Idee akzeptiert wird hängt nicht von ihrer Effizienz ab, sondern vom Einfluss desjenigen, der sie vorträgt. Wer etwas durchsetzen möchte, muss sich politisches Geschick aneignen und vorher mit den richtigen Leuten sprechen, damit seine Meinung bei einem Treffen mehr Gewicht bekommt.

Wer das alles verstanden hat sollte als Deutscher allerdings vermeiden, italienisches Verhalten zu imitieren, denn das würde man ihm übel nehmen, denn ihre Zuhörer schätzen die Selbstkontrolle und Korrektheit der Deutschen und erwarten sie dann auch von ihnen.


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Tag(s) : #Leben

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