Ich erinnere mich an ein Erlebnis aus meiner Kindheit. Ich hörte einen Schlager von Conny Francis: „Die Liebe ist ein seltsames Spiel“. Ich kannte bereits den Sinn von „Spiel“, in meinem kindlichen Geist, aber nicht den Sinn des Wortes "Liebe". Also war ich der Ansicht, bei der Liebe müsse es sich umso etwas wie ein Spielzeug handeln.
Nun singt Conny Francis einen völlig beknackten Text: „Die Liebe ist ein seltsames Spiel, sie kommt und geht von einem zum anderen, sie nimmt uns alles, doch sie gibt auch viel zu viel, die Liebe ist ein seltsames Spiel ....“. Sie müssen sich nun vorstellen, wie ich als 3- bis 4-jähriger über diesen Text sinnierend mir zu erklären versuchte, was das für ein Spiel sei und was es damit auf sich hat.
Ich konnte es mir, wie viele andere Dinge, damals nicht erklären und gefragt habe ich seltsamerweise auch nicht. Irgendwann löste sich dieses Rätsel auf, als ich älter wurde. Ich weiss nicht mehr wann. Aber das Ereignis hatte mich so beschäftigt, dass ich es nie mehr vergessen werde. So wurde der Liedtext von Conny Francis zu einem Auslöser, über die Architektur der Sprache und des Verstehens nachzudenken.
Sprache ist im wahrsten Sinne des Wortes das verwirrendste Medium, wenn wir Wissen vermitteln oder einfach nur informieren wollen.
Sie hat sich nicht entwickelt, um logisch zu sein, sondern Kommunikation zu ermöglichen. Der Urschrei, Laute, die auch Tiere kennen und verwenden, um vor Feinden zu warnen. Oder der Todesschrei, unverwechselbar und unverkennbar auch von artfremden Lebewesen. Er wird erkannt, er geht durch „Mark und Bein“.
Immer differenzierter werden die Laute der Lebewesen, die sich auf der Stufe der Primaten ansiedeln. Und irgendwann in der Geschichte des Menschen beginnen unsere Vorfahren aus Lauten erste Worte zu formen. Von den ersten gesprochenen Worten zum geschriebenen Wort war es dann noch ein langer Weg.
Das geprochene oder geschriebene Wort an sich hat keine Bedeutung, wenn kein Empfänger, kein „Interpreter“ vorhanden ist, der die Sprache beherrscht.
Dieser kann dann einen Text lesen und mit seinem Geist aufnehmen. Aber jeder „Interpreter“ wird ihn "anders" verstehen, wenn es sich nicht gerade um triviale Aussagen handelt wie z.B. "es regnet!".
Mein Gegenüber wird die Worte aufnehmen, verarbeiten und interpretieren. Da aber jeder Mensch individuell anders ist, und niemand in diesen hineinschauen kann, was dieser erlebt und wie er die Worte verarbeitet, kommt möglicherweise nicht das Gleiche dort an, was sich der Autor gedacht hat.
Sprache und Worte besitzen keinen absoluten Gehalt an Information. Information in Form von Worten bewegt sich immer auf der Ebene eigener Erfahrungen, unserer Weltanschauung und Werte, der Intelligenz, des bereits gewussten, des gesunden und des kranken Geistes. Sie ist abhängig vom Zustand des „Interpreters“. Ist er fit oder krank, ist er müde oder ausgeschlafen, ist er aggressiv oder ausgeglichen , und, und, und ...