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Warum haben Sie sich ein I-Phone gekauft? Uuups! Ganz schlechtes Beispiel.
Kaufentscheidungen für Sachen, die wir nicht für unseren Alltag benötigen, also z.B. Luxusgüter, sind immer emotionale Entscheidungen. Niemand braucht ein I-Phone. Wir kaufen es, weil Werbebotschaften es uns einsuggeriert haben, weil es cool ist, weil es alle haben, weil wir verspielt sind aber nicht, weil es zum Überleben notwendig ist.
Das ist doch jetzt banal, werden Sie sagen und darauf verweisen, dass SIE die ENTSCHEIDUNG getroffen haben, nun mal das Geld dafür auszugeben und nicht für die neue Mikrowelle, von der ihre Freundin so schwärmt.
Und schon ist man mittendrin im Dilemma. Die Werbebranche gibt weltweit eine halbe Billion aus. Würde sie das tun, wenn sie vom "freien Willen" des Verbrauchers ausginge?
Wir benötigen also einen Beweis. "Freier Wille" sollte auf rationaler Entscheidung basieren. Gut, - Sie können heute morgen eine völlig andere Strecke zur Arbeit nehmen oder vielleicht einmal mit dem Zug fahren. Das Dumme ist nur, wenn sie es nur tun, weil ihr "freier Wille" auf die Probe gestellt wurde, also wieder nicht freiwillig. So funktioniert es nicht. -

Entwicklungsgeschichtlich gesehen ist der Mensch ein "Herdentier". Ein einzelnes Individuum ist viel zu verletzlich. Allein schon wegen der jahrelangen "Aufzucht" des Nachwuchses mussten frühe Menschen in Gruppen leben. Diese Art gesellschaftlicher Struktur bringt es mit sich, dass die Leitmotive der Gruppe von ihren Mitgliedern akzeptiert werden müssen. Diese Prägung erhält das Kind bereits mit seiner Erziehung. Eine Gruppe kann nur gut funktionieren, weil sie sich an gemeinsamen Regeln orientiert. Egal, ob diese Regeln als angenehm oder unangenehm empfunden werden. Denn halten sich ständig irgenwelche Mitglieder der Gruppe nicht an die Regeln, stören sie ihr Funktionieren und schwächen sie gegenüber anderen Gruppen. Ein weiteres Charakteristikum ist die Ausbildung einer Macht- und Führungsstruktur. Es muss Gruppenmitglieder geben, die jene Regeln schützen, durchsetzen und Regelverletzer bestrafen oder aus der Gruppe ausstossen. Auch die modernen Gesellschaften funktionieren nach diesem Muster. Natürlich sind Regeln und Art einer Struktur der Gesellschaft einem ständigen Wandel unterzogen, denn das, was für alte Gesellschaften gut war, kann in der Gegenwart bedeutungslos sein. Und in modernen Gesellschaften sind die Mechanismen sehr viel differenzierter als in der einfachen Gruppe der Steinzeit oder in einem Indianerstamm.

Die meisten Individuen, die in eine solche Gesellschaft hinein geboren werden, orientieren sich am Verhalten dieser Gemeinschaft und werden den Lebensplan, den ihre Gesellschaft vorgibt für sich übernehmen. Mal simpel ausgedrückt: guter Schulabschluss, Beruf, Ehe, Kinder, Auto, Haus, Religion, Lebensversicherung, Altersvorsorge, Seniorenheim! Die Masse der Gesellschaft verhält sich so. Daneben gibt es Mikrogesellschaften mit anderen Zielen und Regeln. Das sind z.B. Kleriker, die Redaktionsrechte für Ethik, Moral und Religion für sich beanspruchen. Regierungen und politische Zirkel. Der Jet-Set, die Mächtigen und Reichen der Wirtschaft. Und andere mehr. Man hat festgestellt, dass selten Personen aus einer weniger privilegierten in eine stärker privilegierte Schicht wechseln. Man wird quasi in eine Gesellschaftsschicht hinein geboren.

Es war unbedingt erforderlich, sich über gesellschaftliche Hintergründe klar zu werden, um über "freien Willen" zu reflektieren. Demnach wird unser Verhalten sich, grob gesprochen, an gesellschaftlichen Normen, Gesetzen, religiöser Einstellung, persönlicher Einstellung und Überzeugungen aus der zugehörigen Schicht orientieren.

Aber ist es nicht so, dass jeder diese Zwänge nicht einfach über Bord werfen kann? Es gibt doch genug Beispiele über Menschen, die der Gesellschaft den Rücken gekehrt haben, ausgewandert sind, in einem Kloster ein abgeschiedenes Leben führen. Sind das nicht klare Willensentscheidungen gewesen?
Menschen, die gegen den Strom zu schwimmen scheinen, gab es schon immer. Dadurch, dass sie sich von der Masse am stärksten unterscheiden, unterstellt man ihnen einen starken Willen zur Entscheidung. Untersucht man aber ähnliche Fälle genau, so wird man feststellen, dass diese Menschen in ihrer Entwicklung Erlebnisse hatten, die sie auf den Weg eines "Aussenseiters" gebracht haben. Um in ein Kloster im Himalaya gehen zu wollen, muss man sich vorher darüber informiert haben, hingereist sein oder Erfahrungen von anderen Menschen übermittelt bekommen haben. Niemand geht irgendwohin, wenn er nicht weiß, was ihn erwartet. Das sind keine Beweise für freie Willensentscheidungen.

Wir sind ständig mit unserer Umgebung in Verbindung. Alles was auf uns einwirkt, beeinflusst uns auch. Ein Blinder kann nicht mit einem Sehenden über Farben diskutieren.
Sie können auch selbst ein Experiment mit Ihrem freien Willen machen, indem sie einmal folgendes probieren:
Stufe 1: Fahren Sie mit dem Auto über eine durchgezogene Linie, z.B. das Ende der Beschleunigungsspur einer Autobahnauffahrt.
Stufe 2: Gehen Sie ganz dicht an Menschen heran, die sie nicht kennen, bzw. die Sie gerade kennengelernt haben.
Hören Sie auf, mit Ihrer Familie Weihnachten zu feiern. Sie wissen doch, dass es nur um Konsum geht.
Stufe 3: Bleiben Sie freundlich und zuvorkommend zu einer Person, die Sie gerade extrem gefährdet oder beleidigt hat.
Stufe 4: Kündigen Sie morgen Ihren Job ohne dass Sie ein neues Angebot haben
Stufe 5: Sagen Sie jedem ab sofort immer die Wahrheit oder was sie gerade denken.

Das phantastische an unserer Zwangslage ist aber, dass wir das Gefühl haben, jederzeit freie Willensentscheidungen zu treffen. Die Ursache liegt in der Notwendigkeit, mit der Umwelt zu interagieren. Wenn etwas auf mich zugeflogen kommt, werde ich mich wegducken. Im Restaurant werde ich ein Essen wählen, von dem ich mir einen angenehmen Geschmack erhoffe. Weil ich im Alter nicht arm sein möchte, werde ich für eine Altersversorgung ansparen.

Aufgrund von Intelligenz sind Menschen in der Lage zu planen. Planung ist Antizipierung von Ereignissen, die in der Zukunft liegen:

Wenn ich mich nicht ducke, trifft mich der Gegenstand.
Die Vorstellung von meinem Essen ließ mich die Auswahl treffen.
Die Hoffnung auf eine gute Rente bestimmt meine Aktivitäten in der Vorsorge.

Da Planungstheorie aber ständig,durch Abweichungen der Realität von der Planung, Korrekturen vom Menschen fordert, glaubt dieser, diese Entscheidungen gründeten auf freiem Willen.










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Tag(s) : #Grosse Gedanken

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